//// Tschechien
Brünn: Ausflug in die geheimnisvolle Unterwelt
Eines der umfangreichsten Untergrundsysteme in Europa öffnet sich immer mehr der Öffentlichkeit. Der bereits zugängliche Münzmeisterkeller wird nun durch das Labyrinth unter dem Kohlmarkt ergänzt.
Der Münzmeister Bruno: Geld im Mittelalter
Der eigentliche Münzmeisterkeller (Mincmistrovský sklep), also der Ort, an dem die übergroße Mehrheit der mittelalterlichen königlichen Münzen in Mähren entstand, besteht aus einigen Räumen, die ohne Führung besichtigt werden können und in denen Info-Tafeln die Geschichte der Münzprägung in Brünn dokumentieren. Diese spielte sich hier, nach den Annahmen der Historiker, vom 11. bis 16. Jahrhundert ab, sicher belegt ist sie seit dem 13. Jahrhundert, als sich der königliche Münzmeister Bruno am damaligen Fischmarkt, dem heutigen Dominikanerplatz (Dominikánské náměstí) ansiedelte.
Gerade bis in seine Zeit führt uns die Ausstellung im Münzmeisterkeller. Der Raum für die Herstellung und Lagerung der Münzen wird ergänzt durch eine betriebsfähige Replik einer Münzpresse, einen freigelegten mittelalterlichen Brunnen und Faksimiles wertvoller zeitgenössischer Urkunden. Münzmeister Bruno ist übrigens auch persönlich anwesend – als Wachsfigur.
Der Kohlmarkt: das heutige Leben unter der Erde
Im diesjährigen Frühjahr öffnete sich das unterirdische Labyrinth unter dem Kohlmarkt (Zelný trh), das ausgedehnter als der Münzmeisterkeller ist und in dessen Eingeweide Sie ein Führer begleitet. Es handelt sich eigentlich um ein nun durchgängiges Flurensystem der früher voneinander isolierten Keller der Bürgerhäuser, in denen Lebensmittel, Bier oder Wein gelagert waren, die aber auch als Zuflucht in Kriegszeiten dienten. Derer Zusammenschluss zu einer Einheit ist ein Werk des 20. Jahrhunderts – die unkartierten Kellerräume stellten eine statische Gefahr dar und nicht nur eine theoretische, denn in den siebziger Jahren des 20 Jahrhunderts fiel ein ganzer Müllwagen in den Untergrund am Jakobsplatz!
In der neuen Ausstellung können wir den täglichen Betrieb in den damaligen Kellern kennen lernen - was man dort lagerte, womit man leuchtete. Zu der Besichtigung gehört auch eine Weinverkostung und die Replik eines alchimistishen Laboratoriums.
Der Jakobsplatz: “Willkommen im Beinhaus!” heißt es im nächsten Jahr
Der dritte Teil des Brünner unterirdischen Komplexes wird im nächsten Jahr “in Betrieb genommen” – das Beinhaus unter der Jakobskirche auf dem Jakobsplatz (Jakubské náměstí), das im Rahmen archäologischer Untersuchungen im Jahre 2001 freigelegt wurde. Niemand hatte erwartet, welchen Umfang die Entdeckungen annähmen.
Die Knochen, die sich im Laufe der Zeit um den Friedhof herum angehäuft hatten, mussten fortlaufend irgendwohin gebracht werden – die dreiräumige Krypta unter der Kirche hatten allmählich die sterblichen Überreste von mehr als 50 000 unserer Vorfahren aufgenommen. Eine jahrzehntelange archäologische Erforschung ist nun abgeschlossen, die Gebeine sind wieder an ihrem Platz und der Raum ist so hergerichtet, dass die Besucher den wirklichen Zustand des Beinhauses in der Zeit vor der Ausgrabung besichtigen können. Sie können sich auf ein sehenswertes Erlebnis freuen!
Wie gelangt man dorthin?
Der Münzmeisterkeller (Mincmistrovský sklep) befindet sich auf dem Dominikanerplatz (Dominikánské náměstí) . Nehmen Sie den Eingang auf der Panenská-Str.
In das Labyrinth unter dem Kohlmarkt kommen wir über den Eingang im Gebäude mit der Adresse Zelný trh 21.
Was kostet das? Eine vollgültige Eintrittskarte zum Münzmeisterkeller kostet 80 CZK (3,30 €)und zum Labyrinth unter dem Kohlmarkt 150 CZK (6,10 €).
Das Touristische Informationsbüro bietet eine Reihe von Ermäßigungen, mehr dazu auf der Seite:http://www.ticbrno.cz/podzemi/labyrint-pod-zelnym-trhem/vstupne.aspx
Öffnungszeiten:
Montag: beide Rundgänge geschlossen
Münzmeisterkeller: Di – So 9,30– 18 Uhr
Labyrinth unter dem Kohlmarkt: Di– So 9,30– 18 Uhr
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